Björns Reisenotizen: Der Jugged Hare in London

Wo der Hase im Pfeffer liegt

Es gibt mehr Pubs unter Londons trüben Wolken als man in einem Leben besuchen kann. Jeder Versuch, an der Bar eines jeden noch so versteckt liegenden Pubs ein Ale zu schlürfen und über das Wetter zu debattieren, wird in der britischen Metropole zum vergeblichen Lauf gegen die Zeit. Wie so oft, trennt sich aber auch hier rasch die Spreu vom Weizen. Die meisten Pubs an der Themse gehören längst einem großen Unternehmen. Taylor Walker oder Fuller erhalten zwar viele wunderbare alte Gebäude aus viktorianischer oder gar elisabethanischer Zeit, bieten aber Convenience-Food aus der Tiefkühltruhe, wo früher Dickens oder Shakespeare tranken. Das ist in Ordnung für ein ordentliches Pint auf dem Weg ins Theater. Aber damit hat es sich auch schon.

Bei den Gastropubs ist das ein wenig anders. Hier gehören mittlerweile auch viele einer Kette an, setzen aber noch vermehrt auf Individualität und vor allem frische Ware. The Jugged Hare ist eine solche Ausnahme im labyrinthinen Pubwesen der Hauptstadt, ein Kleinod nicht nur in Sachen Architektur, Dekor und offener Küche. Als Teil der City of London in einer ansonsten eher unattraktiven Umgebung gelegen, offenbart sich hinter der geräuschlos schwingenden Tür ein Stück beste englische Küchenkultur. Von verwöhnten Londonern nicht umsonst raunend als Top-Adresse für Wild weitergegeben, sorgt die Speisekarte zur Saison für unfassbare Gaumenfreuden ungezähmter Natur.

Kaninchenleber oder gleich ein ganzer Rücken vom Kaninchen, Taube oder Entenherzen wandern in lukullischer Prozession an unseren Tisch, wahlweise heruntergespült mit einem kräftigen Ale oder einem Tropfen von der erstaunlich sauber sortierten Weinkarte – in London nicht unbedingt obligatorisch. Marktfrischer Fisch, eine Menge Schalentiere und natürlich die Rotisserie, in der allabendlich ein Ferkel seine röstenden Runden dreht und im Ganzen serviert wird, sind ebenfalls Alltag im Jugged Hare, einem dieser raren Orte, an dem die weltoffene Pub-Gemütlichkeit mit ihrem lebhaften Geschnatter auf erstklassige Küche trifft. Herrje, selbst die Preise sind überaus angemessen, wenn man bedenkt, in welcher Stadt man sich gerade aufhält. Ach ja: Jugged Hare, also Hasenpfeffer, gibt es nicht immer auf der Karte. Aber dann kommt man eben einfach mehr als einmal.

Fotos: www.thejuggedhare.com


The Jugged Hare
49 Chiswell Street
London
www.thejuggedhare.com

Reservieren: empfohlen
Probieren: Wildspezialität des Tages
Für Mutige: ganzes Ferkel


Björn Springorum ist Autor, Journalist und verdammt viel unterwegs. Privat, beruflich oder irgendwo dazwischen reist er durch die Welt, macht dabei bevorzugt in London, dem Rest von England, Skandinavien, Südeuropa… ach, sagen wir einfach: überall dort Halt, wo es gutes Essen gibt. Für www.dasbestederregion.de berichtet er exklusiv von seinen Erlebnissen, Entdeckungen und Geheimtipps.