Herbert Beltle

In Berlin bewirtet er Weltstars wie George Clooney in seinen Restaurants.
Im pfälzischen Kallstadt hat sich Herbert Beltle seinen Traum vom eigenen Weingut erfüllt.
Franz Weber hat den Hansdampf in allen Gassen besucht.

Lieber Herbert,  Du bist in Augsburg geboren und betreibst in deiner Wahlheimat Berlin drei erfolgreiche Restaurants. Das alleine reicht schon für einen Bestseller. Wie kam es dazu, dass Du dir in Kallstadt in der Pfalz, 600 Kilometer von Berlin entfernt, noch ein Weingut an die reich dekorierte Kochjacke gehängt hast?
Schmunzelt –Angefangen hatte alles im Jahr 2005. Ich wollte damals für meine Restaurants »Aigner am Gendarmenmarkt« und das »Alte Zollhaus« eigene Weine keltern. Ein guter Freund, der Kallstadter Winzer Arno Speckert, hat mir drei Hektar Weinberge vermittelt. Angedacht war, die geernteten Trauben bei ihm im Weingut auszubauen und abzufüllen. Leider ist er kurz darauf und viel zu früh verstorben. Ich hatte also Weinberge, aber kein Weingut. Kooperationen waren mir zu unsicher. Da habe ich mich entschlossen, das Projekt auf eigene Beine zu stellen. 

Seither hat sich viel getan. Erzähl mal …
Glücklicherweise konnte ich am Ortsrand von Kallstadt die Betriebsstätte eines ehemaligen Weingutes kaufen. Über eine Empfehlung von Winzerin Caroline Diel bin ich an den bestens ausgebildeten Kellermeister Wolfgang Grün geraten, was sich übrigens als ein absoluter Glückgriff erwiesen hat, und dann haben wir einfach losgelegt. Wir mussten alles neu kaufen, haben alles auf den Kopf gestellt. Aus heutiger Sicht eine glückliche Entscheidung, damals ein enormer Kraftakt. Mit modernstem Gerät und neuester Technik haben wir dann die Voraussetzungen dafür geschaffen, guten Wein machen zu können.

Mit welchem Ziel und Anspruch?
In den ersten Jahren wurde nur für unsere Berliner Restaurants abgefüllt. Wir haben enorm viel Herzblut und eine Menge Geld investiert. Uns war bald klar, dass wir zu den besten Weingütern Deutschlands gehören wollten. Und die enormen Anstrengungen haben sich gelohnt. Mittlerweile verarbeiten wir rund 10 Hektar Rebfläche und Hocher-Weine werden nicht nur in unseren Restaurants in Berlin ausgeschenkt, sondern auch auf Staatsbanketten, in der gehobenen Gastronomie und natürlich schätzen auch unsere prominenten Gäste die feinen Tropfen aus Kallstadt.

Was hat es mit dem Namen »Horcher« auf sich?
Das Restaurant Horcher war vor 90 Jahren die Nr. 1 der Hauptstadtgastronomie. Hier verkehrten die Reichen, Wichtigen, Schönen und Bedeuteten. Auf der Suche nach einem Namen für mein Weingut bin ich dann auf dieses Stück Berliner Gastronomiegeschichte gestoßen und möchte die Erinnerungen daran mit meinem Weingut aufrechterhalten.

Wo wir schon bei »Namen« sind. Dein neuestes Gastronomieprojekt in Berlin ist die Rotisserie Weingrün. Eine Hommage an deinen Kellermeister Wolfgang Grün?
Zwinkert – Wolfang Grün ist maßgeblich am Erfolg unseres Weingutes beteiligt. Ohne ihn würden wir nicht dort stehen, wo wir sind. Er ist ein Besessener, im positiven Sinne. Nach seiner Ausbildung zum Weinküfer, seinem Weinbau- und Getränketechnologiestudium in Geisenheim wanderte er durch die halbe Weinwelt: Österreich, Spanien, Chile, Australien, Kalifornien und Südafrika. Bei Rudolf Fürst bekam er den letzten Schliff, und dann habe ich ihn mir geschnappt!  

Du hast einen modernen Weinpavillon mitten in die Weinberge gestellt. Was war die Idee?
Ich wollte eine ganz besondere »Weinprobierstube« mit einer Wahnsinns-Aussicht. Wir haben die Horcher-
Lounge in zwei Metern Höhe auf Stelzen gesetzt und befinden uns hier mitten im Rebenmeer mit einem traumhaften Rundumblick von der Haardt bis hinüber zum Heidelberger Schloss. Niemand kann uns diese Aussicht mehr nehmen! Im Inneren entstand eine moderne Wein-Lounge – alles hier wurde für uns maßgefertigt und unterstreicht unseren Qualitätsanspruch, der nicht nur für die Weine gilt.

Was bedeutet die Pfalz für Dich?
Ich bin gebürtiger Augsburger, mittlerweile überzeugter Berliner und auf dem allerbesten Weg, Pfälzer zu werden. Meine fünfjährige Tochter Marina Lea fühlt sich in der Pfalz jedenfalls schon sehr heimisch. Sie hat in diesem Jahr bereits bei der Weinlese mitgeholfen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.


Zur Person:
Herbert Beltle, geboren am 25. Juli 1957 in Augsburg, absolvierte seine Kochlehre im Kurhotel Adular in Oberstdorf. Es folgten Lehr- und Wanderjahre durch Spitzenküchen in London, Genf, Cannes, St. Moritz, München und Berlin. In Heidelberg absolvierte er seinen Küchenmeister und machte sich 1988 mit dem »Alten Zollhaus« in Berlin selbstständig. 1999 kam das »Aigner am Gendarmenmarkt« dazu, 2009 die
»Rotisserie Weingrün«. Heute beschäftigt der »Gastronom des Jahres 2005« rund 80 Mitarbeiter in seinen Restaurants. Rund 3 Millionen Euro hat Beltle in den letzten Jahren in das Weingut Horcher investiert.

Weingut Horcher Freinsheimer Straße 86a
67169 Kallstadt an der Weinstraße
T +49 (0)6322 941520 www.horcher-wein.de
Weinproben nach Voranmeldung.
www.altes-zollhaus.de
www.rotisserie-weingruen.de
www.aigner-gendarmenmarkt.de