Immer diese Sterne

Eine Kolumne von Wolfgang Faßbender


★ Sterne sind beliebt in der Gastronomie und in der Hotellerie sowieso. Manchmal aber sind sie dermaßen begehrt, dass es schon fast lächerlich wird. Wenn zum Beispiel ein großes Hotel, das lediglich mit vier Sternen ausgezeichnet wurde, mit einem »Fünf-Sterne-Service« wirbt und daraufhin Ärger mit einem Verband bekommt. Ob es den Gästen wirklich darauf ankommt, wo doch das Haus einen klingenden Namen besitzt? Mit wie vielen Sternen man das Peninsula Manila bedachte, in dem ich vor kurzem einchecken durfte, habe ich übrigens gar nicht recherchiert. Es wurde mir von kompetenten Menschen empfohlen, das darf reichen. Das höchst offizielle Vier-Sterne-Hotel nahe Köln hingegen, in dem ich unlängst übernachtete, würde ich trotz dieser Auszeichnung nicht mehr in die engere Wahl nehmen: Da fehlte es an vielen Ecken.

Während große Hotels ja irgendwie immer mit Sternen werben oder so beworben werden, ist die Sache bei kleinen Pensionen unklar. Wer nur ein paar Zimmer anbietet und persönlich seine Gäste empfängt, hat oft nie einen Antrag auf Klassifizierung gestellt und muss folglich mit seinem Namen auf sich aufmerksam machen. Müssen natürlich auch die Restaurants aus jenen Gegenden der Welt, in denen es keinen Guide Michelin gibt. Gourmets, die immer nur nach der roten Bibel reisen, stellen sich in Südamerika oder Asien – außerhalb bestimmter Destinationen – automatisch um, auch die australischen Genießer kommen ohne Sterne als Hilfsmittel aus. Das klappt, verlangt aber zusätzliche Recherchen und Selbstbewusstsein – sogar bei den Köchinnen und Köchen. So ein Stern hilft ja nicht nur dem reisenden Esser, sondern auch dem Inhaber dieser Auszeichnung. Ist er da, steigt das Selbstwertgefühl automatisch. Was ja keine schlechte Sache ist, sofern man sich nicht darauf ausruht!

Neulich habe ich übrigens die jüngste Sterneköchin Frankreichs und ihr deutsches Pendant im trauten Gespräch erlebt. Beide wurden auf den Namen Julia getauft, die eine arbeitet in Paris, die andere in Kerpen nahe Köln. Dass man derart ambitionierte und fähige Frauen unterstützen muss, mit oder ohne Auszeichnungen, sollte für alle Gäste und sämtliche Gastrokritiker selbstverständlich sein. 


Wolfgang Fassender • Trendbarometer

Wolfgang Faßbender ist selbständiger Gastronomie- und Weinjournalist, lebt in Zürich und nahe Köln. Er ist als Restaurantkritiker unterwegs, schreibt für die NZZ, die Welt am Sonntag, für Weinwelt oder AHGZ, publiziert Bücher und keltert seinen eigenen Wein an der Mosel.