Perlen im Jugendstil

Das BESTE der Region • Sekthaus Griesel

Griesel & Compagnie


Tradition? Keine zwei Jahre! Zukunft? Eine ganz große! Das prophezeien auch namhafte Genre-Profis dem blutjungen Sekthaus Griesel & Compagnie an der Hessischen Bergstraße. Im kleinsten deutschen Anbaugebiet hat Winzer Niko Brandner einen phänomenalen Start hingelegt. Mit Sekten, die bereits heute zur dünnen Spitze der nationalen Szene gehören.

Modern, elegant und charismatisch – »Champagner« aus Südhessen. In Bensheim bringt der gelernte Banker, dem die Finanzen bald zu trocken wurden, seine Idee eines hochklassigen Schaumweins in die Flasche. Der heute 33-Jährige hat den Betrieb ab 2013 aus dem Nichts aufgebaut. 2015 wurde die Premierenkollektion vorgestellt. Ein Donnerschlag! Das ortsansässige Unternehmerpaar Streit hatte für sein jüngstes Baby den richtigen Komplizen gefunden, um das Anwesen der ehemaligen Hessischen Staatsweingüter zwei Jahre nach deren Abzug mit neuem Leben zu erfüllen. Eine erfolgreiche Investition. Die Fachwelt ist begeistert.

Der Jugendstil weht nicht nur über das Etikett. Brandner verkörpert eine frische, freie und anspruchsvolle Riege von Winzern, die nur das tun, wofür sie brennen. Der Mann hat, so sagt er, Bock auf Genuss. Seine Cuvées aus Spätburgunder, Chardonnay und Riesling sind weinig, cremig und saftig, mit mineralischem Grip und feinsten Hefenoten. „Wir machen nur das, wofür wir tausendprozentig stehen“, so der tiefenentspannte Unterfranke, der in Neustadt studiert hat und nach einer Ausbildung bei Paul Fürst in Bürgstadt ins Mosel-Weingut Dr. Loosen wechselte. Beim rheinhessischen Sekt-Pionier Volker Raumland hat sich Brandner den finalen Feinschliff geholt.

Statt sich auf heimische Lagen zu versteifen, wählt er ausschließlich nach der Güte und dem Alter der Rebstöcke. „Der Standort muss stimmen.“ Inzwischen hat Griesel & Compagnie 6,5 Hektar eines alteingesessenen Bensheimer Betriebs übernommen. Weitere Trauben werden zugekauft, vor allem aus der Pfalz. Mit dem Weingut Gabel in Herxheim am Berg ist er bestens vernetzt. Junior Oliver ist ein Kumpel.

Im Keller setzt Niko Brandner auf Qualität und Purismus. Die spontan vergorenen Grundweine werden ohne Schönung und Filtration mit einem minimalen Gehalt an Sulfiten ausgebaut. Ein langes Hefelager und eine geringe – oder gar keine – Dosage sorgen für eine noble Perlage und einen unverfälschten Sortencharakter mit erkennbarem Reifepotenzial. Über der durchweg soliden Basis-Linie »Tradition« verkörpern die »Prestige«-Sekte die luxuriöse Visitenkarte und den Stil des Hauses. Sie gewinnen durch ein längeres Hefelager (24 Monate), zeigen viel Schmelz und eindrucksvolle Substanz. Sekte mit Ecken und Kanten weit abseits des Mainstreams.

Aktuell umfasst die Top-Kollektion einen Pinot Brut nature, einen Rosé und einen Riesling sowie einen Blanc de Blancs aus 100 Prozent Chardonnay. Die ersten Exemplare der »Exquisit« –Linie werden frühestens Ende 2017 den Keller unter dem Berg Griesel verlassen. Nur die feinsten Spätburgunder eines Ausnahmejahrs dürfen bis zu drei Jahre auf der Hefe schlummern und ihr ganzes Potenzial entfalten. Im Spätsommer sollen die ersten dieser Spitzensekte degorgiert werden.

Ein Start-up mit Biss: Gleich mit dem Premieren- Jahrgang hat sich Griesel in hohe Sphären gekeltert. Jetzt möchte der Gutsverwalter den Betrieb mit Herz und Kopf behutsam weiter entwickeln. Geplant sind Schäumer aus Muskateller und Sauvignon Blanc. Nicht zu viel auf einmal. Die Manufaktur geht selbstbewusst, aber entspannt ins dritte Jahr. Niko Brandner hat Zeit. Und Zukunft. Wie seine Sekte.


Text: Thomas Tritsch  • Fotos: Griesel Sekt

www.griesel-sekt.de