Gasthaus Jennerwein

Von echten Wurzeln und anderem Gemüse

Weil der gebürtige Schorsch Weber kulinarisch seine Wurzeln lebt, hat er Stammgäste bis aus Düsseldorf und Hamburg, die hier auf Reisen in den Süden den Einkehrschwung zelebrieren. Das Gasthaus Jennerwein in Dürnbach ist ein im wahrsten Sinne des Wortes „ausgezeichnetes“ Mekka für Freunde der guten, echten, überlieferten bayerischen Küche.

Auf den ersten Blick scheint es schon ein bisschen paradox, dass ein gebürtiger Pfälzer für seine echte bayerische Küche und sein bayerisches Traditionslokal gerühmt wird und deutschlandweit bekannt ist. Aber der Weber Schorsch, dessen Großeltern aus Ingolstadt stammen, ist der lebende Beweis dafür, dass die Wurzeln ausschlaggebend sind, auch wenn man ein Pflänzchen versetzt oder anderswo nachzieht. Jedenfalls wurde der jüngste Spross einer eingesessenen Gastwirtsfamilie an der Deutschen Weinstraße schon von klein auf „Schorschl“ und nicht etwa Georg gerufen. Die Weber-Oma aus Ingolstadt mit ihren feinen Mehlspeisen prägte zudem den Geschmack des Enkels. So wurden die Rezepte für den karamellisierten Kaiserschmarrn mit Mandeln, Rumrosinen und Apfelmus, für die Marillenknödel mit Bröselbutter und Vanilleeis, aber auch für das geschmorte Böfflamott mit gebratenen Semmelknödelscheiben und glasiertem Wurzelgemüse familienintern weitergegeben. Heute stehen die Gerichte auf der Karte des Gasthauses und zählen neben dem Tafelspitz und dem Wiener Schnitzel (selbstredend vom Kalb) zu den „Jennerwein“-Klassikern, während Weber mit „Schorschs Alpen-Tapas“ aktionsweise die Gaumen kitzelt und einfach Lust auf mehr macht.

„Mir geht es darum, einfach Produkte auf hohem Niveau zuzubereiten“, sagt Schorsch Weber. Es sei das Kochen als handwerkliches Können, das ihm Freude bereitet und beseelt. Gelernt hat er im legendären Hotel »Bareiss« in der Gourmethochburg Baiersbronn im Schwarzwald. Danach zog es Weber aber gleich nach Bayern, aufs Oktoberfest in die »Käfer Wies`n-Schänke«, weil es den Jungkoch damals brennend interessierte, wie es hinter den Kulissen einer Wiesngastronomie zugeht. Nach den zwei Wochen wechselte er spontan zu Fritz Schilling in die »Käfer-Schänke« im Bogenhausener Stammhaus. Es folgten Stationen in Lech am Arlberg, bei Alfons Schuhbeck, der Weber zum Mentor werden sollte, in Witzigmanns „Palazzo“ und im 1-Sterne-Restaurant „Dallmayr“. Das sei alles spannend und lehrreich gewesen. Aber richtig warm wurde er mit der Sterneküche, wo Gemüse bisweilen mit dem Lineal abgemessen und mit der Schere zugeschnitten werde, nicht. „Das war nicht mein Ding. Ich wollte kochen und nicht herumkünsteln“, betont Weber. Darum ging er als Küchenchef in den Münchner »Marktwirt«.

Als vor knapp fünfeinhalb Jahren ein neuer Pächter für das »Jennerwein« in Dürnbach gesucht wurde, war die Stunde gekommen, sich den Lebenstraum vom eigenen bayerischen Lokal, mitten in einer der schönsten und bayerischsten Regionen, zu erfüllen. „Ich wollte ein zeitloses Gasthaus, wo jeder hinkommt und sich wohlfühlt“, erklärt der Wirt und betont, wie glücklich er sich schätzt, hier im Tegernseer Tal, das sich in den vergangenen Jahren kulinarisch enorm entwickelt habe, ein Platzerl bekommen zu haben. „Und als genau das gilt das »Jennerwein« heute“, sagt Schorsch Weber stolz.

Entsprechend ist die Karte gestaltet: Darauf finden sich neben der Krustentierschaumsuppe mit Riesengarnelen die Pfannkuchensuppe, neben dem Bärlauchknödel mit Almkas und brauner Butter das Saiblingsfilet auf Kräuterrisotto. Dass Weber Produkte aus der Region wie etwa den Käse aus der Naturkäserei in Kreuth, die Fische aus Tegernsee oder Louisenthal oder auch Landhendl aus dem benachbarten Tirol verwendet, versteht sich für den überzeugten Wahl-Gmunder ehrenhalber.

Allerdings auch, dass bei ihm Weine aus der Pfalz ausgeschenkt werden – und zwar vom Familienweingut, wo seine Cousins eine eigene »Schorsch«-Linie mit Grauburgunder, Weißburgunder und Riesling für ihn entwickelt haben. Und weil das lateinische »Textor« übersetzt »Weber« bedeutet, gehört auch noch der kultige Textor-Rotwein, ein Cuvée aus Cabernet-Sauvignon, Merlot, Portugieser und Mitos des befreundeten und renommierten Winzers Markus Schneider, zu den Hausmarken, die sich »Jennerwein«-Gäste gern auch mit nach Hause nehmen. Zwischen Pfälzer Wein und bayerischer Küche jedenfalls fühlt sich Schorsch Weber in Dürnbach zu Hause angekommen, und das würdigten auch die Gourmetmagazine »Der Feinschmecker« und der »Falstaff« sowie die »FAZ« mit ihren Empfehlungen des »Jennerweins« als eines der besten Traditionslokale Deutschlands.

Text: Alexandra Korimorth – Seeseiten Frühjahr 2016

www.jennerwein-gasthaus.de