Das Ca‘n Cuarassa auf Mallorca

Ca‘n Cuarassa auf Mallorca

Björns Reisenotizen


Ganz und gar unscheinbar sieht es aus von außen, das Ca’n Cuarassa. Parkplätze, Fensterfront, alte Restaurantschilder. Wenig einladend trotz der direkten Lage am Meer, an der Straße zwischen Alcudia nach Pollença im äußersten Norden Mallorcas. Es einfach links liegen lassen? Ein grober Fehler! In einer der wichtigsten Urlausbregionen der Insel authentische spanische (oder gar mallorquinische) Küche zu finden und nicht mit Discounter-Tapas abgespeist zu werden, wird zunehmend schwieriger. Orte wie das Ca’n Cuarassa gehören deswegen weit nach oben auf die kulinarische Liste.

Bei unserem Besuch im späten März sind nur eine Handvoll Tische besetzt, der in mehrere Bereiche aufgeteilte, hübsche Gastraum und die große Terrasse sprechen im Sommer bestimmt eine ganz andere Sprache. Uns soll es Recht sein. So ergattern wie einen der schönen Fensterplätze mit direkter Sicht auf die Bucht, als die spanische Sonne gerade mit ihrem gold-rötlichen Abstieg beginnt. Herrlich warm, die Natur in voller Blüte, überschaubarer Urlauberansturm: Es lebe die Vorsaison!

Unter den einheimischen Weinen auf der Karte entscheiden wir uns für einen rassigen weißen Golós von Miquel Gelabert aus Manacor. Der ist ja durchaus für seine Experimentierfreudigkeit bekannt und vermählt hier mal so mir nichts, dir nichts Moscatel, Riesling, Viognier und Giró Blanc zu einer fein ausbalancierten Assemblage. Reife Früchte, Apfel, leichtes Holz – eine tolle Überraschung! Kaum ruht er im Glas, eilt der flinke und zurückhaltende, aber sehr höfliche Service mit den Vorspeisen herbei. Ausgezeichnete Artischocken in einem hauchdünnen Tempura-Teigmantel türmen sich auf fein aufgeschnittenem Iberico-Schinken, der andere Teller punktet mit einem auch optisch umwerfenden Oktopus-Carpaccio.

Die Bucht ist in violettes Licht getaucht, als die Hauptgänge eintreffen. Die Lammkeule wurde so lange und so gekonnt im Ofen geschmort, dass das zarte Fleisch vorbildlich vom Knochen purzelt, das Kaninchen ist saftig und wird von einem meisterlichen Kartoffelgratin flankiert, der im Grunde nicht besser zu machen ist.  Dazu, Ehrensache, gibt es eine ganz prächtige Aioli, frisch aufgeschlagen und toll abgeschmeckt. Drüben in Port de Pollença, auf der anderen Seite der Bucht, sind die Lichter angegangen. Für uns endet ein schöner Abend auf einer herrlichen Insel, die einem zur Hochsaison fast leidtun kann. Aber letzten Endes hat es sich Mallorca selbst zuzuschreiben. Was musste dieses Fleckchen Erde auch so schön werden?


Ca’n Cuarassa
Ctra. Port de Pollença – Alcúdia
Mallorca
www.cancuarassa.com

Reservieren: Im Sommer unbedingt
Probieren: Die mallorquinischen Weine


Björn Springorum ist Autor, Journalist und verdammt viel unterwegs. Privat, beruflich oder irgendwo dazwischen reist er durch die Welt, macht dabei bevorzugt in London, dem Rest von England, Skandinavien, Südeuropa … ach, sagen wir einfach: überall dort Halt, wo es gutes Essen gibt. Für www.dasbestederregion.de berichtet er exklusiv von seinen Erlebnissen, Entdeckungen und Geheimtipps.