Nur nicht laut werden

Wolfgang Faßbenders Kolumne Trendbarometer für Das BESTE der Region

Eine Kolumne von Wolfgang Faßbender


Früher haben sich Köche in kleiner Runde beschwert, heute machen sie ihrem Ärger schon mal auf Facebook Luft. Vor allem vor wichtigen Feiertagen, an Silvester, drei Tage vor Ostern oder in der Weihnachtszeit. Ziel des Spotts sind natürlich die Gäste. Nicht die netten, die kommen, essen, zahlen und sich freuen, sondern vor allem jene, die sich das trauen, was sich früher nur selten einer getraut hätte: einfach nicht zu kommen oder kurzfristig abzusagen. Natürlich ohne den Willen, Stornokosten zu tragen. Manche werden, wenn man sie auf die Probleme hinweist, die derartiges Verhalten auslöst, ziemlich pampig, gar laut. Verständlich, dass Hotelier und Gastronom da verärgert sind.

Ob es allerdings klug ist, sich öffentlich über Kunden zu erregen, kann man diskutieren. Wirte wenden ein, dass sie den Gästen nur mit gleicher Münze heimzahlen, dass sie auf die moderne Neigung zu harscher Kritik reagieren. Jeder, der mal als Kind seiner Mutter den Spinat ins Gesicht gespuckt hat, fühlt sich ja seit ein paar Jahren im Recht, die Kochkunst und die Gastgeberkultur der Profis zu bewerten. Und allzu viele tun es auf Tripadvisor, Facebook oder anderen Portalen, gern im Schatten der Anonymität, manchmal sogar unter der Gürtellinie. Köche und Kellner ballen da nicht nur die Faust in der Tasche, sondern zahlen mit gleicher Münze zurück. Und manche träumen sogar davon, dass der Gesetzgeber hart durchgreift, die Bewertungsplattformen verbietet und gegen geschäftsschädigende Kritik zu Felde zieht.

Doch der Bundestag hat andere Sorgen, als sich um eingeschnappte Esser zu kümmern, die Meinungsfreiheit gilt auch im Zusammenhang mit dem Gastgewerbe. Und die, die sie für Beleidigungen missbrauchen, kann man ja schon unter geltenden Regeln vor Gericht zerren, wenn man die Mühe nicht scheut. Doch es empfiehl sich eher, mit Gelassenheit zu reagieren und sachlich zu antworten. Counter Speech nennen sie das bei Facebook. Das Lautwerden dagegen sollte man ruhig denen überlassen, die keine Kinderstube haben. Und wer drei Stunden vor der Silvesterparty absagt, sollte man im Übrigen eine saftige Rechnung zugestellt bekommen – mit einem netten Brief und ganz besonders höflich.


Wolfgang Fassender • TrendbarometerWolfgang Faßbender ist selbständiger Gastronomie- und Weinjournalist, lebt in Zürich und nahe Köln. Er ist als Restaurantkritiker unterwegs, schreibt für die NZZ, die Welt am Sonntag, für Weinwelt oder AHGZ, publiziert Bücher und keltert seinen eigenen Wein an der Mosel.