Aufsteiger, Absteiger, Newcomer
Der neue Michelin Guide 2018

HANDOUT - Die Köche (v.l.) Nils Henkel, Christian Scharrer, Jan Hartwig, Boris Rommel und Lars Keiling, aufgenommen am 14.11.2017 bei der Präsentation des Restaurantführers «Guide Michelin» Deutschland 2018 in Potsdam (Brandenburg). In der Ausgabe 2018 sind insgesamt 300 Sterne-Restaurants verzeichnet. (zu «Höhenflug der Spitzenrestaurants: 300 Häuser mit Michelin-Sternen» vom 14.11.2017) ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur bei Nennung: Foto: Bernd Brundert/Guide Michelin/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Himmel voller Sterne(-köche)


Die alljährliche Bekanntgabe der Michelin-Sterne gleicht einem Großereignis, das unter Feinschmeckern denselben Stellenwert genießt wie, sagen wir, das WM-Finale für Fußballfans. Überall im Land fiebern und zittern die Gastronomen, die Hoteliers, die Foodies mit, beäugen gespannt die Geschehnisse in Berlin und fachsimpeln, wer eine Aufwertung verdient, wer wohl herabgestuft wird und wer neu einsteigt in die Sterneklasse der Gastronomie.

Schon im Vorfeld war klar: Die Bekanntgabe der Sterne in der Gastrobibel schlechthin, dem Michelin-Guide 2018, steht unter einen, nun, besonderen Stern. Zum einen ist 2017 das Jahr, in dem 3-Sterne-Koch und Fine-Dining-Pionier Harald Wohlfahrt Abschied von seinen Pfannen in Baiersbronn nimmt, zum anderen war es die bestürzende Nachricht vom Tod des ebenfalls mit drei Sternen bekrönten Helmut Thieltges aus dem Waldhotel Sonnora bei Bitburg. Er wurde nur 61 Jahre alt und hinterlässt aus menschlicher wie auch aus kulinarischer Sicht eine Lücke. Der Trost: Clemens Rambichler hält die lukullische Bestmarke.

Der Rest ist abermals ein lukullischer Freudentaumel, diesmal inszeniert in den Babelsberger Filmstudios und begleitet von einer angemessen opulenten Gala unter Beteiligung gleich mehrerer deutscher Spitzenköche. Die Zahlen sprechen für sich: 2018 tragen exakt 300 deutsche Restaurants einen, zwei oder drei Sterne. Im einzelnen wären das: 11x drei Sterne, 39x zwei Sterne und 250x ein Stern. Das sind wieder mal einige mehr als im Vorjahr, das ist wieder mal ein toller Beweis für die Kreativität, den Genius und die ungebremste Kochfreude unserer Gastronomen.

Der neue Überflieger

Wie in jedem Jahr, gibt es auch bei der diesjährigen Verleihungen einige faustdicke Überraschungen. Dieses Feld anführen dürfte zweifellos Jan Hartwig vom Restaurant Atelier im Hotel Bayrischer Hof in München. Der Chef kochte sich in sensationellen drei Jahren zur Bestmarke und wird 2018 das erste Mal mit drei Sternen ausgezeichnet. Somit wächst die Zahl der Drei-Sterne-Tempel auf elf an – darunter natürlich Baiersbronns Klassiker wie Bareiss oder Schwarzwaldstube (unter dem neuen Küchenchef Torsten Michel) oder jüngere Sensationen wie Hamburgs The Table.

Der Phönix aus der Ofenasche

Eine lange Nacht dürfte es auch bei dem nach der Schließung von Schloss Lerbach abgetauchten Nils Henkel werden. Im Restaurant Schwarzenstein im Wein-Hochschulmekka Geisenheim erkochte er auf Anhieb zwei Sterne. Ebenfalls leuchten ab sofort zwei Sterne über Boris Rommels Gourmet-Restaurant Le Cerf im Schlosshotel Friedrichsruhe. Sensation im Zwei-Sterne-Sektor ist aber Keilings Restaurant im niedersächsischen Bad Bentheim. Mit gerade mal zwei Küchenkollegen an seiner Seite arbeitete sich Lars Keiling im Stillen und ohne großen Rummel zum zweiten Stern vor – ein echtes Michelin-Märchen!

Die Sterne-Brigade

Gut, für jemanden wie Joannis Malathounis ist das nichts Besonderes. Er steht immer noch allein in seiner Küche in Kernen bei Stuttgart, verteidigt auch diesmal vollkommen verdient seinen Stern. An seine Seite gesellen sich zahlreiche neue Kollegen, die sich ab heute über ihren ersten Stern freuen dürfen – darunter einige, die erst kürzlich ihren Küchendienst aufgenommen haben: Aus dem Stand erkochte der erst Anfang 2017 nach Stuttgart gekommene Denis Feix mit seinem Team in der Zirbelstube (Althoff Hotel am Schlossgarten) einen Stern und ist somit weiter auf Kurs, die Stuttgarter Restaurant-Elite anzuführen. Emma Wolf in Mannheims Mall Q6/Q7 setzt die Vorliebe der Stadt für Sterneläden in Einkaufszentren fort – neben dem Zwei-Sterne-Laden Opus V in der Nobel-Mall Engelhorn gibt es jetzt auch hier einen Stern.

Blitzschnell – und dennoch wurde nichts anderes erwartet – hat sich Benjamin Peifer in der Pfalz seinen ersten Stern im Intense erkocht. Erst im Sommer wurde der Laden in Kallstadt eröffnet, ein Durchmarsch ist da wohl vorprogrammiert. Gleich drei neue Sterne gab es diesmal für Berlin, womit die Gesamtzahl der bekrönten Läden auf nunmehr stramme 21 anwächst. Und dann ist da noch das auf den ersten Blick unscheinbare kleine Städtchen Andernach, das man sich mal für einen Wochenendausflug vormerken sollte: Mit Ai Pero und Yoso hat es über Nacht plötzlich zwei Sterneläden!

Die gefallenen Sterne

Insgesamt 21 Restaurants müssen ihre Sterne in diesem Jahr hergeben. Darunter: Brenners Parkrestaurant (zuvor zwei Sterne) in Baden-Baden, weil es auf unbestimmte Zeit geschlossen bleibt, und das Restaurant der Villa Rothschild Kempinski (ebenfalls bislang zwei Sterne), die ein neues kulinarisches Konzept fahren. Ebenfalls von zwei auf null fällt der Frankfurter Tigerpalast, dazu geben 18 Ein-Sterne-Häuser ihre Gestirne wieder her. Aber wie heißt es so schön: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.


So definiert der Michelin seine Sterne-Wertung:

1 Stern: „Eine sehr gute Küche: verdient besondere Beachtung.“
2 Sterne: „Eine hervorragende Küche: verdient einen Umweg.“
3 Sterne: „Eine der besten Küchen: Ist eine Reise wert.“