Rosswag

Die neue Genuss-Destination


Ruhig und verschlafen liegt es im schwindenden Licht der Herbstsonne: Rosswag bei Vaihingen/Enz ist eines dieser Dörfchen, die es im Schwäbischen zuhauf gibt. Idyllisch, tiefenentspannt, übersichtlich – aber für die meisten eben ein unbeschriebenes Blatt. Das könnte sich schon sehr bald ändern. Es tut sich nämlich was an der Enz. Hier, wo der träge dahinplätschernde Fluss eine seiner malerischen Schleifen durch die Landschaft zieht, gibt es mit dem Lamm schon seit einigen Jahren ein Restaurant, das dem Guide Michelin einen Stern wert ist. Mit dem jungen Weingut roterfaden gesellt sich seit kurzem ein zweiter sehr guter Grund dazu, die B10 zu verlassen und einen Abstecher in die ländliche Geruhsamkeit vorzunehmen. Macht man eh viel zu selten.

Doch hübsch der Reihe nach. Da wäre zunächst mal das Lamm, erstes Haus am Platze, Restaurant und Hotel, untergebracht in einem ehrwürdigen Fachwerkbau, der auch heute noch eine Metzgerei beherbergt. Steffen Ruggabers Küche ist von erlesener Qualität, jeder Gang begeistert und verzaubert mit einem komplexen, aber stimmigen Aromen- und Texturenspiel. Verspielt, aufwändig, filigran und intensiv duftend begeistert uns seine marinierte Gänseleber mit sensationellem Zuckermais, Cranberries und Malz, die getauchte Jakobsmuschel mit Steckrübe und Bergamotte hallt lange nach, der Wildfang-Zander mit Blutwurst, Kürbis und Süßholz lässt uns genussvoll verstummen, der lange gegarte Hirschkalbrücken überzeugt mit wunderbarer Textur und Schmoraromen. Eine Wucht, nicht weniger. Im Service sorgt seine Frau Sonja mit ihrem Team für eine jener seltenen Kreuzungen aus unkomplizierter Gastlichkeit und ungestelzter Professionalität, die dazu führt, dass man sich noch vor dem letzten Schluck Aperitif, bitte verzeihen Sie, sauwohl fühlt. Der Gastraum ist warm und gemütlich, sommers geht der Blick von der schönen Terrasse direkt in die Weinberge. Und damit direkt hinein ins Reich von Johannes Hoffmann und Olympia Samara. Das junge Paar hat sich auf dem Hof von Hoffmanns Familie mit dem Weingut roterfaden einen lang gehegten Traum erfüllt.

Ihre Geschichte ist so etwas wie ein wahrgewordener Winzertraum: Samara kommt aus Griechenland nach Deutschland, um im Winzer-Mekka Geisenheim Weinbau und Oenologie zu studieren. Dort lernt sie Hoffmann kennen, sie verlieben sich, schwärmen gemeinsam aus in die weite Weinwelt, lernen und arbeiten in Frankreich, in Kalifornien und in Österreich. Dort läuft ihnen der Blaufränkisch über den Weg, Österreichs Entsprechung des Lembergers. Die beiden sind baff, was man aus dieser Traube so alles machen kann, und sie schwören sich: Wenn sie mal ein eigenes Weingut haben, wollen sie einen ebenso guten Lemberger machen! Das sind hehre Ziele: Zwar liegt das kleine Roßwag mitten im Lemberger-Land, die Gegend ist jedoch geprägt von Genossenschaften und ihren eher dünnen Tropfen.

Kein Grund für das passionierte Winzerpaar, den Kopf in den Sand zu stecken. 2015 wird der erste offizielle Jahrgang abgefüllt – und findet aus dem Stand heraus großen Anklang. Rassig und würzig wie es sich für die Lembergertraube gehört, aber eben nicht flach oder dünn, sondern bemerkenswert vielschichtig mit feiner Frucht: So schmeckt Lemberger wirklich selten! Das findet auch Steffen Ruggaber, der schon als Kind mit dem jungen Winzer Fußball gespielt hat. „Als ich hörte, dass Johannes seinen eigenen Lemberger macht, war ich begeistert“, erinnert er sich. „Endlich konnte ich einen Wein aus meiner Heimat auf die Karte setzen, der für viele eine spannende Neuentdeckung werden würde.“  Zu Wild und Geflügel passt der Lemberger aus dem Hause roterfaden ganz ausgezeichnet, auch bei den Gästen im Lamm kommt der feine Tropfen gut an. Das liegt einerseits natürlich an den ausgezeichneten Lagen, die im Hoffmann’schen Familienbesitz waren. Aber eben auch am unermüdlichen Einsatz der zwei Winzer-Youngster, die nach biodynamischen Richtlinien arbeiten und ordentlich Ertragsreduzierung betrieben haben.

Gewiss, anfangs hat das in einem althergebrachten Dörfchen wie Rosswag noch für Verwirrung gesorgt. Mittlerweile ist man aber froh über das frische Blut. Das war mit dem Lamm anfänglich nicht viel anders. Einer neuen, moderneren Art der Küche stand man zuerst nicht wirklich aufgeschlossen gegenüber. Mittlerweile aber überwiegt doch der Stolz der Rosswager, so ein über die Landkreisgrenze hinaus gelobtes und erfolgreiches Restaurant im »Flecken« zu haben. Zumal mittlerweile jeder gemerkt hat, dass es weder Ruggabers noch den Jungwinzern darum geht, die geschätzten Traditionen über den Haufen zu werfen. Sie werden eben nur zukunftsfähig gemacht. Das kommt an – was man auch daran sieht, dass die Rosswager selbst zu besonderen Tagen im Lamm einkehren.

Schön, dass sowohl Hoffmann und Samara als auch die Ruggabers den Mut hatten und haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Ihnen ist es zu verdanken, dass Rosswag mehr und mehr auf die überregionale Genießerlandkarte drängt. Mit Spitzenküche, tollen Weinen und jeder Menge Herzlichkeit. Von der lauschigen Natur hier an der Enz mal ganz zu schweigen …


Lamm Rosswag
Rathausstraße 4
71665 Vaihingen an der Enz/Rosswag
T +49 (0)07042 21413
info@lamm-rosswag.de
www.lamm-rosswag.de


Weingut roterfaden
Hagenrainstraße 37
71665 Vaihingen an der Enz/Roßwag
T +49 (0)160 97328200
info@weingutroterfaden.de
www.weingutroterfaden.de