Björns Reisenotizen: Das Freyenstein in Wien

Doppelt hält besser

freyenstein_kellerstueberl_copyright-apolt_kleinDer Weg in Wiens 18. Bezirk, er lohnt sich. Hier, recht unscheinbar in der Thimiggasse und für Unkundige von außen nicht von einem normalen rustikalen Gasthaus zu unterscheiden, finden Gourmets eine der besonderen Adressen der österreichischen Hauptstadt. Nach dem Ausscheiden von Meinrad Neunkirchner hat Souschef Jakob Kaineder die Herrschaft über Topf und Kochlöffel übernommen. An der Küche merkt man das gottlob nicht: Noch immer setzt das Freyenstein auf sein 5-Gang-Menü, in dem jeder teil aus zwei gern grundverschiedenen und dennoch wunderbar harmonierenden Speisen besteht. Es ist selten geworden, dass ein Restaurantbesuch auch außerhalb des Sternehimmels für echte Überraschungen zu sorgen weiß; im Freyenstein hingegen ist der verblüffende Aha-Effekt garantiert.

Bis es dazu kommt, hat sich der Gast längst in den heimeligen Gastraum, in die rustikale, aber urgemütliche Atmosphäre, in die Wiener Herzlichkeit des Personals und in das ausgezeichnete Brot verliebt. Ich gebe zu, manchmal verschenke ich mein gastronomisches Herz vorschnell an einen Laden, wenn er nur ein besonderes Bier auf der Karte hat. Hier jedoch ist das anders. Hier fühlt man sich sofort wohl behütet und gut umsorgt, wie auf weichste Daunen gebettet. Dann geht das Menü-Duell los: Fenchelsüppchen gegen Debrecziner, Maishendl gegen Ragout von der Leber, Saibling gegen Wels, dazu stets erstaunlich rustikale Komponenten und frischer Kräuter aus eigenem Anbau, die die Raffinesse der Speisen trotzdem nicht überlagern. Erst ein Happen vom linken Teller, dann eine Gabel vom rechten. Wow, hier ist Essen noch eine Entdeckung. Ins Glas kommt, Ehrensache, Grüner Veltliner aus der Wachau, Chardonnay vom Neusiedersee oder Riesling aus dem Kremstal. Das alles für schlanke 80 Euro (inklusive Weinbegleitung und Brot)… klar, da kann man öfter kommen.

Ein wohlgemeinter Tipp von Genussmensch zu Genussmensch: Auch wenn es ein kleines „a la carte“-Angebot gibt – tun Sie sich, Ihrem Gaumen, Ihrem Magen und Ihrer Seele etwas Gutes und genießen Sie das Menü. Sie werden es ganz bestimmt nicht bereuen.

Fotos: www.freyenstein.at


Gourmet Gasthaus Freyenstein
Thimiggasse 11
Wien
www.freyenstein.at

Reservieren: empfohlen
Probieren: 5-Gang-Menü und überraschen lassen


Björn Springorum ist Autor, Journalist und verdammt viel unterwegs. Privat, beruflich oder irgendwo dazwischen reist er durch die Welt, macht dabei bevorzugt in London, dem Rest von England, Skandinavien, Südeuropa … ach, sagen wir einfach: überall dort Halt, wo es gutes Essen gibt. Für www.dasbestederregion.de berichtet er exklusiv von seinen Erlebnissen, Entdeckungen und Geheimtipps.