Floating Piers

Vom Traum, einmal übers Wasser gehen zu können

Mit den schwimmenden Stegen auf dem Lago d`Iseo in Norditalien hat Verpackungskünstler Christo eine einzigartige Kunst-Installation geschaffen, die zu Erkundungen aus ungewöhnlichen Perspektiven einladen und Menschen aus aller Welt zum Staunen bringt

Eigentlich liegt der Iseosee in den lombardischen Provinzen Brescia und Bergamo etwas verträumt im Schatten seiner berühmten Nachbarn. Während sich am überlaufenen Gardasee die Autokolonnen durch die allseits bekannten Dörfer quälen und sich am Comer See der internationale Jetset rund um George Clooney sonnt, geht es hier meist beschaulich zu. Vor allem bei Segelsportlern gilt der viertgrößte See Norditaliens aufgrund seiner günstigen Fallwinde als Paradies.

Doch nun ist Schluss mit der Ruhe. Seit der durch die Verhüllung des Berliner Reichtages berühmt gewordene Künstler Christo seine gigantischen schwimmenden Stege zum Flanieren freigegeben hat, läuft der Iseosee seiner Konkurrenz den Rang ab und zieht Besucher aus aller Welt in Massen an. Alle wollen sie Christos neuesten (und vermutlich letzten) Geniestreich erleben.

Drei Kilometer lang sind die mit orange-glänzendem Stoff überzogenen Piers aus 220.000 Kunststoffwürfeln. Auf ihnen lässt es sich trockenen Fußes vom pittoresken 2000-Seelen-Dorf Sulzano zu den Inseln Monte Isola und Isola di San Paolo übers Wasser schreiten. Geländer oder Rettungswesten gibt es nicht – um die Sicherheit kümmern sich 150 Wachleute und 30 Rettungsschwimmer. Die Idee zu den Floating Piers hatten Christo (81) und seine kongeniale Partnerin Jeanne-Claude, die 2009 verstarb, bereits in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt.

Fotos: Wolfgang Volz

Christos goldene Stege sind noch bis 3. Juli zu bewundern. Wer die Möglichkeit hat, sollte dieses außergewöhnliche Spektakel unbedingt erleben.


Wissenswertes:
Die Besucherzahlen der Floating Piers liegen ungefähr doppelt so hoch, als ursprünglich erwartet wurde. Rund 55.000 Besucher fallen täglich in die sonst in Geruhsamkeit schwelgende Gegend ein, was logischerweise zu großen logistischen (Verkehrs-)Problemen führt.

Seien Sie am besten so früh wie möglich vor Ort (in jedem Fall vor 8 Uhr!). Um diese Uhrzeit gibt es noch ausreichende Parkplätze in Iseo – von dort geht´s per Shuttlebus oder mit dem Taxi (Fahrtzeit ca. 5 Minuten) zum Startpunkt nach Sulzano. Der Eintritt ist gratis. Fürs Handgepäck sollten Sie ausreichend Getränke, Sonnencreme und eine Kopfbedeckung einplanen.
Ob sich die Mühen lohnen? Auf jeden Fall!


www.thefloatingpiers.com