Ottmanngut »Suite & Breakfast«

Es ist der frische Stil und die pittoresken Landschaftsschilderungen, die den Stil des Biedermeier-Malers Friedrich Wasmann geprägt haben. Vielleicht sind seine Werke deshalb so detailverliebt und lichtdurchflutet, weil er in Meran einen Garten gesehen hat, der bis heute eine der schönsten Oasen Südtirols ist. Schlichte Eleganz und zeitlose Authentizität prägen auch das Ottmanngut, wo der Künstler vor 174 Jahren so bildhaft vom mediterranen Garten des Anwesens schwärmte.

Der Stil des bürgerlichen Landhauses ist eine Melange aus bewegter Tradition und herzerfrischender Gastfreundschaft, die hier ebenso historisch verwurzelt ist wie das Ambiente des Guts, das eine würdevolle Vergangenheit mit modernen Akzenten vereint. In seiner langen Biografie war es zunächst landwirtschaftlicher Betrieb, dann Gastwirtschaft und später Pension. Die Familie Kirchlechner hat es seit 1850 geradezu virtuos geschafft, den Duft dieses prominenten Stücks Alt-Meraner Gastlichkeit zu bewahren. Die Geschichte reicht bis ins Jahr 1290 zurück.

Vor der Renovierung 2010 wurde die gemütliche Pension 30 Jahre von Martin Kirchlechners Großmutter Martha geführt. Dann verliebte sich der Enkel, ein gelernter Landschaftsarchitekt, zunächst in das Ottmanngut selbst und gleich danach in die Vorstellung, das Gasthaus nach der Totalsanierung im alten Geist weiter zu führen. Dem Gastgeber gelang eine meisterhafte Revitalisierung eines Anwesens, mit dem seine Familie schon seit sechs Generationen eng verbunden ist. Diese würzige biografische Note wollte der 26-jährige gemeinsam mit seinem Bruder Clemens unbedingt erhalten. Nach der knapp zweijährigen Häutung verkörpert das Ottmanngut heute eine in sich stimmige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Eine respektvoll inszenierte Symbiose mit Charakter, Charme und ganz, ganz viel Persönlichkeit.

In den neun individuell eingerichteten Zimmern paaren sich Komfort und Tradition mit einer Liebe zum Detail. Die meisten Möbel, Leuchten und Accessoires stammen aus Familienbesitz und spiegeln eine feine Passion für Antikes und Besonderes. Die originalen Holzböden wurden freigelegt und behutsam restauriert. Das jeweilige Zimmer hat den Stil vorgegeben: Mit ihrer Nähe zu Biedermeier oder Jugendstil, den Kachelöfen und Stuckdecken scheinen die Suiten ein wenig aus der Zeit gefallen.

Das klassische »Hotel-Gefühl« will sich dann auch nicht einstellen im Ottmanngut. Der Gast genießt eine herzliche und familiäre Behandlung weit abseits der standardisierten Betreuungsroutine, wie sie in großen Fünf-Sterne-Häusern gepflegt wird. Martin Kirchlechner hat dieses Refugium unweit des Vinschger Tors außerhalb der alten Stadtmauer zu einem Stück Heimat in der Fremde gemacht. Im Ottmanngut wohnt man nicht, man lebt in einer betont privaten und sehr persönlichen Atmosphäre. Klein, echt und authentisch bis ins Detail. Die Gastlichkeit ist ebenso ehrlich wie die Speisen, die hier mit dem gleichen Respekt und Feingefühl behandelt werden wie die Historie des Hauses.

Martin Kirchlechners Passion für Kulinarik spiegelt sich in den Prinzipien der Slow Food Bewegung. Die Lebensmittel sind regional, Bio und fair. Auf nachhaltige Anbaumethoden wird allerhöchsten Wert gelegt. Das Frühstück verkörpert diesen Anspruch besonders aromatisch. Im Speisesaal, der wunderschönen Orangerie oder im mediterranen Garten genießt man ursprüngliche Produkte aus dem Meraner Land mit Blick auf den benachbarten Weinberg: bei hausgemachten Marmeladen, frischem Obst direkt vom Anwesen und heimischen Fleisch- und Käsespezialitäten schmeckt Südtirol besonders echt.
Die Natur prägt den Charakter des Hauses – damals wie heute. Üppige Vegetation blüht vor mächtiger alpiner Kulisse. Es duftet nach Oleander, Zypressen und Zitrusfrüchten. Dazu wurden alte Obstsorten gepflanzt. Der Blumengarten des Ottmannguts hat sich seit 1840 kaum verändert – als Friedrich Wasmann diesen betörenden Blick auf Leinwand festgehalten hat.

Gastgeber Martin Kirchlechner hat einem der schönsten Meraner Porträts eine neue Note hinzugefügt, mit der die Tradition des Hauses für die Zukunft weiter lebt.

Text: Thomas Tritsch


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