San Giorgio

Berlins Bilderbuch-Italiener

Die Sache mit dem Kult ist ja immer recht schwierig. Oftmals wird ein Restaurant übereilt zum Kult erklärt, noch öfter geschieht dies völlig ungerechtfertigt. Anders beim San Giorgio in Charlottenburg. Eröffnet 1989 von Domenico Fiorentino und nach der Wende schnell als eine der besten Adressen für italienische Leckereien in der neuen Hauptstadt etabliert, hat vergangenes Jahr sein Sohn Fabrizio das Restaurant übernommen. Der hat zwar gründlich renoviert und das San Giorgo ins 21. Jahrhundert geholt, führt die kulinarische und philosophische Arbeit des Herrn Papa so stringent fort, wie es nur ein Familienbetrieb made in Italy vollbringt: Feinste italienische Küche, erlesenste Zutaten, Gastlichkeit und Understatement regieren mit unverändert eisernem Regiment.

Das kam an und das kommt an: Obwohl man sich weitab des Regierungsviertels befindet, kam schon Gerhard Schröder zum Essen, auch Angela Merkel labte sich an hausgemachten Gerichten wie Sellerie-Carpaccio mit Trüffeln, hauchdünner Kalbsleber oder Seewolf im Salzmantel. Unprätentiös wie die Fiorentinos nun mal sind, kredenzt man auch eine Spitzenpizza direkt aus dem Steinofen. Dass man gerne mal als Promi-Italiener bezeichnet wird, nimmt man hin, mehr aber auch nicht. Das San Giorgo soll für alle sein, die gute italienische Küche wie bei Mamma schätzen.

Bodenständige Art, kulinarische Höhenflüge – eine gute Kombination, zu der die weißen Tischdecken natürlich ebenso gehören wie die gute Weinkarte. In der italienischen Küche geht es eben um viel mehr als nur darum, satt zu werden. Das San Giorgio ist einer dieser Orte, an denen man das noch weiß.


www.san-giorgio.de