Das Anca Curro in Tarifa

Björns Reisenotizen

Windumtost liegt es da, das kleine Küstenstädtchen Tarifa. Die kleinen, strahlend weißen Häuschen trotzen der Witterung mit typisch andalusischem Stolz, hier, am südlichsten Punkt des europäischen Festlandes, ist das Klima rauer als an der benachbarten Bettenburg Costa del Sol, das Licht und die Wolken dafür umso magischer. Die Costa de la Luz heißt nicht umsonst so, Küste des Lichts, ein einmaliger Glanz, der die engen Gässchen und lauschigen Plätze Tarifas wie in Honig tunkt. Die Stadt ist ein populärer Hangout für Kite- und Windsurfer, aus aller Welt pilgern sie hier her, verteilen sich auf die zahlreichen Bars, Restaurants, Tascas. Es gibt sie jedoch auch noch in einer Stadt wie Tarifa, die kleinen Kaschemmen, die gut gehüteten Geheimnisse, die Touristen nur verstohlen betreten, vielleicht einen schnellen Sherry schlürfen und dann wieder verschwinden.

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Grober Fehler. Und unverständlich noch dazu, denn wer einmal das Anca Curro betreten hat, will gar nicht mehr weg. Dafür muss man den Laden erst mal finden, hierher lockt keine laute Musik, kein buntes Licht und keine ausgelassene Menschentraube, die sich davor versammelt. Dafür: Gedämpftes Licht, ein winziger Laden, der praktisch nur aus einem Tresen besteht, Matador-Tand, Memorabilia, Kitsch und große Schinken, die von der Decke hängen. Die produziert der Patron selbst, alle Gerichte aus seiner Karte werden mit seiner eigenen Schweinezucht ein Stücken weiter im Hinterland bestückt. Konsequenterweise gibt es im Anca Curro nur Schwein, Schwein und noch mal Schwein, selbst die Pimientos wandern nicht ohne eine ordentliche Portion Speck aus der winzigen Küche.

Der schweinische Hauptdarsteller brilliert aber auch in allen anderen Disziplinen: Der Jamon Iberico, vom Chef selbst mit Hingabe und Liebe hauchdünn vom großen Stück abgeschnitten und liebevoll angerichtet, zergeht nussig auf der Zunge, das erlesene Secreto-Stück aus dem Muskel ist ebenso zart wie saftig, die gefüllten Paprika bersten vor Schweinehack, das – erraten! – sensationell mundet. Dazu das eine oder andere frisch gezapfte Caña oder natürlich ein Fino-Sherry, während der Mund emsig kaut und der Blick über die Bilder der Schweine an der Wand wandern. Keine typische Tapas-Bar vielleicht; aber doch ein Stück echtes Andalusien.


An ca curro
Calle Moreno de Mora 5
Tarifa

Reservieren: Quatsch! Reingehen, an die Theke quetschen, lächeln

Probieren: Iberico-Schinken – und eigentlich alles andere vom Schwein


Björn Springorum ist Autor, Journalist und verdammt viel unterwegs. Privat, beruflich oder irgendwo dazwischen reist er durch die Welt, macht dabei bevorzugt in London, dem Rest von England, Skandinavien, Südeuropa … ach, sagen wir einfach: überall dort Halt, wo es gutes Essen gibt. Für www.dasbestederregion.de berichtet er exklusiv von seinen Erlebnissen, Entdeckungen und Geheimtipps.